Freie und Hansestadt Hamburg,
Wirtschaftsbehörde, Strom- und Hafenbau 2000-2003
Volumen: 28,0 Mio. €
Die erste Besiedelung der Elbinsel Finkenwerder wird im Jahre 1236 erwähnt. Damals wurden zum Schutz der Häuser gegen den "Blanken Hans" zunächst einzelne Warften errichtet. Wie überall in den Küstengebieten war auch hier das Überleben der Marschenbauern und Fischer vom ständigen Kampf gegen die Sturmfluten geprägt. Unter großen Opfern und mit den damals noch sehr dürftigen technischen Mitteln war 1445 nach und nach ein ca. 8 km langer Ringdeich entstanden, der im Laufe seiner Geschichte nach Deichbrüchen immer wieder erhöht und verstärkt, vorübergehend sogar mehrfach aufgegeben werden musste.
Welche Kraft von der Gewalt einer sehr schweren Sturmflut ausgeht, wurde zuletzt vor nunmehr fast 40 Jahren deutlich , als in der Sturmflutnacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 der Ringdeich von Finkenwerder an 14 Stellen brach. Das gesamte Niederungsgebiet wurde überflutet. In ganz Hamburg waren viele Opfer zu beklagen.
Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse wurde zum zuverlässigen Schutz der niedrigen Wohngebiete Hamburgs unverzüglich ein neues Hauptdeichsystem errichtet. In der verkürzten, überwiegend vorverlegten Trasse, kam es auch zur Abdämmung der Alten Süderelbe.
Finkenwerder ist nun keine Insel mehr, sondern fest mit dem Hinterland verbunden. In den Anfängen des damaligen Neubaus entstand nördlich des alten Rindeiches der heutige ca. 2,5 km lange Finkenwerder Hauptdeich als Hochwasserschutzwand. Der neue Hochwasserschutz war noch nicht völlig fertiggestellt, als er am 3. Januar 1976 durch die bisher höchste Sturmflut mit einem Wasserstand von NN +6,45 m auf die Probe gestellt wurde. Diesmal erfüllten die Hochwasserschutzanlagen ihre Aufgabe und verhinderten wesentliche Schäden.
Nach einer Reihe weiterer schwerer Sturmfluten ließ der Senat die Hochwassersicherheit Hamburgs überprüfen. 1995 beschloss der Senat eine weit in die Zukunft reichende Vorsorge zum Schutz der in den Hamburger Elbniederungen lebenden Bevölkerung. Im Rahmen eines neuen Bauprogramms werden die rund 100 km langen öffentlichen Hochwasserschutzanlagen grundlegend erhöht und verstärkt. Anders als früher gilt nun der Grundgedanke des mit den Nachbarländern abgestimmten Schutzkonzeptes gleiche Sicherheit statt einheitlich gleicher Bauwerkshöhe. Die Maßnahmen am Finkenwerder Hauptdeich sind Teil des beschlossenen Hochwasserschutzprogramms.
Die begleitende Arbeit von Architekten und eines Landschaftsplaners sichert die stadtbildgerechte Einbindung des Hochwasserschutzes in die vorhandenen Strukturen und berücksichtigt auch ökologische Gesichtspunkte. Anfang 2001 wurde mit den Bauvorbereitungen für den Hochwasserschutz Finkenwerder begonnen.
Zunächst wurden umfangreiche Gleisbauarbeiten für die neue Wandtrasse durchgeführt werden. In weiteren Schritten wurde die Bautrasse vom Kampfmittelräumdienst untersucht und freigegeben. Die neue Hochwasserschutzwand besteht aus einem massiven Stahlbetonüberbau, der auf Spundbohlen und Pfählen tiefgegründet ist.
In Teilbereichen wird die Fläche zwischen der alten und der neuen Wand zum Bau einer hochgelegenen Deichverteidigungsebene aufgeschüttet. Mit der Erhöhung des Finkenwerder Hauptdeiches wird der letzte Abschnitt an der Hamburger Unterelbe fertiggestellt. Damit erhält der gesamte Süderelberaum eine weit in die Zukunft reichende höhere Deichsicherheit.
Der Hochwasserschutz wurde in 2 unabhängigen Aufträgen vergeben. Das Vorhaben Köhlfleet Hauptdeich mit einer Länge von 2.000 m stand in den Jahren 2000 bis 2002 zur Ausführung an und der Bereich Finkenwerder Hauptdeich von 2001 bis 2003. Die Aufträge wurden von der Freien und Hansestadt Hamburg an die Argen auf Sondervorschläge erteilt. Die technische Federführung hatte in beiden Fällen die F+Z Baugesellschaft mbH. Partner war die Hochtief AG.
Örtlich unterschiedliche Bemessungswasserstände mit differenzierten Zuschlägen für den jeweiligen Seegang ergeben die neuen Sollhöhen. Derartige Festlegungen sind aufgrund neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und Modellversuche möglich. Außerdem sollen in den Bau der neuen Schutzanlagen weitergehende technische Entwicklungen und Erfahrungen der Deichverteidigung einfließen.
Die Maßnahmen am Köhlfleet Hauptdeich sind Teil des vom Hamburger Senat beschlossenen Hochwasserschutzprogramms. Der vorhandene Hochwasserschutz wird im Rahmen dieses Programms verstärkt und erneuert.
Die neue Hochwasserschutzwand besteht aus einem massiven Stahlbetonüberbau, der auf Spundbohlen tiefgegründet ist. Soweit die beengten Platzverhältnisse einen Vorbau um 5,00 bzw. 7,00 m zulassen, bleibt die vorhandene Wand erhalten.
So kann die neue Konstruktion in diesen Abschnitten ganzjährig hergestellt werden. Anschließend wurde die Fläche zwischen beiden Wänden zum Bau einer hochgelegenen Deichverteidigungsebene aufgeschüttet. In weiten Bereichen wurde die Wandtrasse allerdings aufgrund der sehr engen beiderseitigen Bebauung und Nutzung beibehalten. Hier wurde die vorhandene Konstruktion abgebrochen und während der sturmflutfreien Zeit im Sommer ersetzt.
Nach Abschluss der Maßnahmen ist Finkenwerder um - 10.000 m3 Beton - 6.500 to Spundwand - viele Dreh- und Schiebetore - 50.000 m3 Deichverteidigungsstraße und -wege - 5.000 m Siele und Abwasserleitungen und ein neu gestaltetes Bauwerk gegen den "Blanken Hans" reicher.



